Kategorie: Veranstaltungen

  • Rundbrief 1/2026 – Neuigkeiten und kommende Veranstaltungen

    Lie­be Mit­glie­der, lie­be Freund*innen des Ver­eins Soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen,

    nach einer län­ge­ren Pau­se mel­den wir uns heu­te mit freu­di­gen Neu­ig­kei­ten und einem aktua­li­sier­ten Pro­gramm bei Ihnen. Mit neu­er Kraft im Team und span­nen­den Pro­jek­ten möch­ten wir Sie wie­der regel­mä­ßig über unse­re Arbeit infor­mie­ren.

    Neu­es im Team

    Seit dem 1. Juni 2026 bin ich, Fran­zis­ka Max, als Refe­ren­tin für Öffent­lich­keits­ar­beit und Fund­rai­sing für den Ver­ein tätig. Mein Wer­de­gang umfasst ein Stu­di­um der Sozi­al­ethik im Gesund­heits­we­sen an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt. Zudem enga­gie­re ich mich in der Poli­kli­nik Grup­pe, die sich für die Grün­dung eines soli­da­ri­schen Gesund­heits­zen­trums in Frank­furt-Rie­der­wald ein­setzt, und arbei­te am Insti­tut für Ethik und Geschich­te der Gesund­heit in der Gesell­schaft an der Uni­ver­si­tät Augs­burg.

    Beson­ders am Her­zen lie­gen mir die The­men: Zugang zum Gesund­heits­we­sen, Gesund­heits­ge­rech­tig­keit, Public-Health-Ethik, sozia­le Bewe­gun­gen im Bereich Gesund­heit und Gesund­heit als Men­schen­recht.

    Ich freue mich sehr auf die Zusam­men­ar­beit im Ver­ein – sowohl inhalt­lich als auch dar­auf, Sie über Neu­ig­kei­ten unse­rer­seits auf dem Lau­fen­den zu hal­ten und an einer nach­hal­ti­gen Finan­zie­rung des Ver­eins mit­zu­wir­ken.

    Aktu­el­le Pro­jek­te und Ver­an­stal­tun­gen

    Neu­auf­la­ge der „Medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung von Men­schen in Haft“

    In den kom­men­den Tagen wird die drit­te, über­ar­bei­te­te Auf­la­ge der Bro­schü­re bei uns ein­tref­fen. Sie rich­tet sich an:

    • Inhaf­tier­te Men­schen,
    • Ange­hö­ri­ge von Inhaf­tier­ten,
    • Per­so­nen, die im Kon­text Gefäng­nis arbei­ten,
    • sowie alle Inter­es­sier­ten.

    Das zen­tra­le The­ma bleibt die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung von inhaf­tier­ten Men­schen. Die Bro­schü­re kann ab dem 10. Juni 2026 bei Bern­hard Win­ter (solid.g‑wesen@posteo.de) bestellt wer­den (3 €/Stück, für Inhaf­tier­te kos­ten­los).

    Zur Vor­stel­lung der neu­en Auf­la­ge fin­det eine Onlin­ever­an­stal­tung statt, zu die­ser wer­den wir Sie noch­mal extra ein­la­den.

    Jah­res­haupt­ver­samm­lung und Vor­trag

    Am 2. Okto­ber 2026 um 18:30 Uhr fin­det ein Vor­trag zum The­ma: „Austeri­täts­po­li­tik und Sozi­al­ab­bau im Kon­text von Mili­ta­ri­sie­rung“ statt. Direkt im Anschluss, um 20:15 Uhr laden wir herz­lich zur Jah­res­haupt­ver­samm­lung des Soli­da­ri­schen Gesund­heits­we­sen e.V. ein (wie gewohnt eben­falls online).

    Gesund­heits­po­li­ti­sches Forum in Ber­lin

    Vom 30. bis 31. Okto­ber 2026 fin­det das Gesund­heits­po­li­ti­sche Forum in Ber­lin statt, wel­ches zusam­men mit dem vdää* ver­an­stal­tet wird. The­men­schwer­punkt ist die­ses Jahr „Stra­te­gien lin­ker Gesund­heits­po­li­tik“. Das detail­lier­te Pro­gramm wer­den wir Ihnen noch zukom­men las­sen. Wir freu­en uns, dort sowohl neue als auch alt­be­kann­te Gesich­ter zu tref­fen!

    Aus­stel­lung: Zugang zum Gesund­heits­we­sen

    Das Medi­netz Frankfurt/Offenbach ent­wi­ckelt gera­de in Koope­ra­ti­on mit dem Soli­da­ri­schen Gesund­heits­we­sen e.V. eine Wan­der­aus­stel­lung zum The­ma „…und raus bist du“ - der ver­sperr­te Zugang zum Gesund­heits­we­sen. Die Aus­stel­lung soo zunächst im Raum Frank­furt zu sehen sein und kann auf Anfra­ge aus­ge­lie­hen wer­den.

    Kon­takt und wei­te­re Infor­ma­tio­nen

    Für Fra­gen ste­hen wir Ihnen ger­ne unter solid.g‑wesen@posteo.de zur Ver­fü­gung. Aktu­el­le Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Web­site: 🔗 www.solidarisches-gesundheitswesen.de

    Mit soli­da­ri­schen Grü­ßen,

    Fran­zis­ka Max im Namen des Ver­eins Soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen e.V.

  • Spendenbrief 2024

    Spendenbrief 2024


    „Wir wider­set­zen uns des­halb allen Ten­den­zen, sozia­le Grup­pen von der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung aus­zu­schließen oder ihre Gesund­heits­res­sour­cen zu beschnei­den.“ Sat­zung des Soli­da­ri­schen Gesund­heits­we­sen e.V.
    Soli­da­ri­tät ver­tei­di­gen – aber wie?
    Ob wir uns schon län­ger der Gefahr von rechts bewusst sind oder gera­de erst durch Medi­en­be­rich­te dar­auf auf­merk­sam wur­den: Das Erstar­ken rech­ter Kräf­te in Deutsch­land, Euro­pa und der Welt ist real, es ist aktu­ell und es ist brand­ge­fähr­lich.
    Auch wir im Gesund­heits­we­sen kom­men nicht umhin, uns damit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es gilt, sich gera­de jetzt für eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft stark zu machen und uns der Gefah­ren bewusst zu wer­den, denen gera­de die Men­schen aus­ge­setzt sind, für deren Gesund­heit und Gesund­heits­ver­sor­gung wir uns vor­nehm­lich ein­set­zen, näm­lich sozi­al Benach­tei­lig­te und Men­schen, die von Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fen sind.
    Der Ver­ein Soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen wird sich des­halb im Jahr 2024 gemein­sam mit dem vdää* dem Schwer­punkt­the­ma Gefahr von Rechts wid­men. Wir wol­len damit ein Bil­dungs­an­ge­bot für unse­re Mit­glie­der und ande­re Inter­es­sier­te schaf­fen und anti­fa­schis­ti­sche Netz­wer­ke im Gesund­heits­we­sen stär­ken. Aktu­ell pla­nen wir eine Ver­an­stal­tungs­rei­he, in der wir uns mit den Hin­ter­grün­den von rech­ter Poli­tik und Rechts­extre­mis­mus aus­ein­an­der­set­zen, sowie ganz kon­kre­te Gefah­ren und Hand­lungs­stra­te­gien im Gesund­heits­we­sen dis­ku­tie­ren. Außer­dem wer­den wir eine Aus­ga­be der Gesund­heit braucht Poli­tik, die wir seit 2024 gemein­sam mit dem vdää* her­aus­ge­ben, dem The­ma wid­men. Schließ­lich wird sich auch das dies­jäh­ri­ge Gesund­heits­po­li­ti­sche Forum, das am 29. und 30. Novem­ber 2024 im Zen­tral­werk in Dres­den statt­fin­det, damit befas­sen.
    Wir freu­en uns, zum 10-jäh­ri­gen Ver­eins­ju­bi­lä­um unse­re Arbeit aus­zu­bau­en und mit der Mit­her­aus­ga­be der Gesund­heit braucht Poli­tik um einen wich­ti­gen Bau­stein zu erwei­tern. Dabei wol­len wir unse­re Erfah­run­gen und Netz­wer­ke nut­zen, um uns noch lau­ter in gesund­heits­po­li­ti­sche Debat­ten ein­zu­brin­gen.
    Kon­zep­ti­on und Durch­füh­rung der Kam­pa­gne zu unse­rem dies­jäh­ri­gen inhalt­li­chen Schwer­punkt, sowie die Mit­ar­beit in der Redak­ti­on der Gesund­heit braucht Poli­tik bedeu­ten auch mehr Arbeit.
    Neben Diet­mar Lan­ge, der sich wei­ter­hin um die Fort­füh­rung unse­rer erfolg­rei­chen Arbeit zur Öko­no­mi­sie­rungs­kri­tik im Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik küm­mert, haben wir des­halb seit Novem­ber eine zwei­te Arbeits­kraft in Teil­zeit ange­stellt:
    Karen Span­nen­krebs ist Ärz­tin und seit dem Stu­di­um im medi­bü­ro Ham­burg sowie im vdää* gesund­heits­po­li­tisch aktiv. Zu ihren Auf­ga­ben gehört ins­be­son­de­re die Redak­ti­ons­ar­beit, die Orga­ni­sa­ti­on des Gesund­heits­po­li­ti­schen Forums sowie die Pla­nung und Durch­füh­rung der geplan­ten Kam­pa­gne zur Gefahr von Rechts, auch für ein soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen.
    Um Karens Stel­le dau­er­haft finan­zie­ren zu kön­nen und unse­re Arbeit damit wei­ter aus­zu­bau­en und zu kon­so­li­die­ren, sind wir auf Eure Spen­den ange­wie­sen. Ihr unter­stützt damit unser Enga­ge­ment für ein soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen und unse­re Bil­dungs­ar­beit im Kampf gegen Rechts und alle Ver­su­che der Ein­schrän­kun­gen des Rechts auf Gesund­heits­ver­sor­gung.
    Wir bit­ten euch um Über­wei­sun­gen auf unten ste­hen­des Kon­to und freu­en uns beson­ders über regel­mä­ßi­ge Spen­den etwa per Dau­er­auf­trag, die uns Pla­nungs­si­cher­heit ermög­li­chen.
    Ihr könnt auch Mit­glied im Ver­ein Soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen wer­den. Schreibt dafür ein­fach eine Mail.

    Kon­to des Ver­eins Soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen e.V.:
    Betreff: Kam­pa­gne gegen Rechts
    Frank­fur­ter Spar­kas­se
    IBAN: DE07 5005 0201 0200 5795 25
    BIC: HELADEF1822

  • Kampf gegen Rechts – Es wird nicht einfacher

    Kampf gegen Rechts – Es wird nicht einfacher

    aus der GbP 124

    von Colet­te Gras und Karen Span­nen­krebs

    Am 10. Janu­ar die­sen Jah­res ver­öf­fent­lich­te das Recher­chen­etz­werk Cor­rec­tiv einen Bericht über ein Geheim­tref­fen von ver­schie­de­nen Rech­ten, das für einen Auf­schrei der Empö­rung sorg­te, weil dort das Haupt­the­ma die so genann­te »Remi­gra­ti­on« war, also die geplan­te Aus­wei­sung von Men­schen ohne deut­schen Pass und Men­schen, die von den Rech­ten für »nicht-deutsch« gehal­ten werden1. Im Nach­gang erschien die deut­sche Öffent­lich­keit zunächst unge­wohnt einig. Nach Jah­ren der Bericht­erstat­tung über einen soge­nann­ten Rechts­ruck zeigt sich, wor­in des­sen offen­sicht­li­che Gefah­ren lie­gen. Und auch wenn »Remi­gra­ti­on« bekann­ter­ma­ßen das Pro­gramm von Tei­len der AfD, z.B. dem Höcke-Flü­gel ist, hat die­ser Bericht das Fass zum Über­lau­fen gebracht. Im Schock über die Ent­hül­lun­gen scheint klar: Alle – außer den AfD-Wähler*innen und den ande­ren Rech­ten – sind sich einig gegen Rechts.

    Dabei kann man sich schon allein über das Wort »Rechts­ruck« strei­ten, ver­schlei­ert es doch zum einen die unun­ter­bro­che­ne Kon­ti­nui­tät rechts­extre­mer und (neo)faschistischer Kräf­te in Deutsch­land seit 1945. (Die­se kann in der 23. Fol­ge des Pod­casts Rosa­lux Histo­ry gut nach­voll­zo­gen werden2). Für vie­le Antifaschist*innen war die Gefahr von Rechts schon lan­ge vor der Cor­rec­tiv Recher­che offen­sicht­lich. Und zum ande­ren ver­schlei­ert es die schlei­chen­de Ver­schie­bung der Poli­tik auch nicht als rechts gel­ten­der Par­tei­en nach rechts, ohne dass sie rechts­ra­di­kal oder rechts­extre­mis­tisch sind. Immer­hin wur­de im Janu­ar ein soge­nann­tes Rück­füh­rungs­ver­bes­se­rungs­ge­setz beschlos­sen, das vie­le For­de­run­gen der Rech­ten auf­greift und umsetzt. Und das von einer Regie­rungs­ko­ali­ti­on, die sich einig weiß mit den Demons­tra­tio­nen gegen Rechts…

    Den­noch gilt es, trotz der vor­han­de­nen Kon­ti­nui­tät auch die aktu­el­le Dring­lich­keit der Ent­wick­lung nicht zu über­se­hen. Die Gefahr einer extrem rech­ten Regie­rung ist real und sie ist aktu­ell. Bei­spie­le ande­rer (euro­päi­scher) Staa­ten und aktu­el­le Umfra­ge­er­geb­nis­se soll­ten uns gera­de in Hin­blick auf kom­men­de Kom­mu­nal­wah­len im Früh­som­mer die­ses Jah­res sehr hell­hö­rig machen. Die Fol­gen einer AfD-geführ­ten Kom­mu­nal­po­li­tik wer­den für vie­le Men­schen ganz real spür­bar sein.

    Im Novem­ber 2023 wur­de bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung des vdää* fol­gen­der Mit­glie­der­be­schluss gefasst: »Die MV beauf­tragt den Vor­stand des vdää*, eine Per­spek­ti­ve und eine Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln, wie der Ver­ein dem Rechts­ruck in der Gesell­schaft und der zuneh­men­den Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft ent­ge­gen­ar­bei­ten kann.«

    Die­sen gilt es nun im Lauf des Jah­res und dar­über hin­aus, zu kon­kre­ti­sie­ren und umzu­set­zen. Wir wer­den uns dabei auf ver­eins­in­ter­ne Bil­dungs­ar­beit, Öffent­lich­keits­ar­beit, Ver­net­zung und Bünd­nis­ar­beit stüt­zen.

    Doch auch im Ver­ein wird schnell deut­lich: Klar und ein­fach ist lei­der auch Anti­fa­schis­mus nicht und gera­de als Lin­ke sehen wir uns aktu­ell mit einer Viel­zahl von Fra­gen und Unklar­hei­ten kon­fron­tiert, die sich auch in Debat­ten im erwei­ter­ten Vor­stand des vdää* wider­spie­geln. Im Anschluss an den Beschluss des vdää*, Teil des Bünd­nis­ses: »Wir sind die Brand­mau­er« zu wer­den, gab es leb­haf­te Debat­ten zunächst im Mail­ver­tei­ler und dann bei einer Online Dis­kus­si­on des erwei­ter­ten Vor­stands des vdää* am 28. Janu­ar: Kern unse­rer Dis­kus­sio­nen waren ver­schie­de­ne Fra­gen, wie sie aktu­ell sicher­lich in vie­len lin­ken Kon­tex­ten, an Abend­essen­s­ti­schen und auf WG-Sofas dis­ku­tiert wer­den. In die­sem Arti­kel wol­len wir die­se sich her­aus­kris­tal­li­sie­ren­den Fra­gen zusam­men­tra­gen und schon vor­han­de­ne, sich teil­wei­se wider­spre­chen­de Posi­tio­nen wie­der­ge­ben. Dar­auf auf­bau­end wol­len wir im Lauf des Jah­res im Rah­men von kom­men­den Dis­kus­sio­nen und Ver­an­stal­tun­gen unse­re Position(en) und ggf. auch Stra­te­gien aus­bau­en.

    Steht die Brand­mau­er?
    Gegen wen oder was kämp­fen wir?

    Kämp­fen wir gegen »Rechts«, gegen die AfD, gegen den Faschis­mus? Was genau mei­nen wir damit? Wor­an macht sich die­ses »Rech­te« fest? An einer Par­tei, an gewis­ser Rhe­to­rik, an einem Bekennt­nis, an Inhal­ten? Auf wel­chen Ach­sen machen wir die­se Inhal­te fest? Anti­fe­mi­nis­mus, Ras­sis­mus, Migra­ti­ons­feind­lich­keit, Neo­li­be­ra­lis­mus, auto­ri­tä­re Repres­si­on, Mili­ta­ri­sie­rung von gesell­schaft­li­chen Kon­flik­ten, am Rück­fall hin­ter bür­ger­li­che Frei­heit und Gleich­heit… Die­se Fra­gen tun sich auf, unter ande­rem, weil die gro­ßen Demons­tra­tio­nen der letz­ten Mona­te die Idee der Brand­mau­er ins Zen­trum der Dis­kus­sio­nen gestellt haben. Dabei ist meis­tens eine »zivil­ge­sell­schaft­li­che« und par­tei­lo­se Orga­ni­sa­ti­on gegen Rechts bzw. den Faschis­mus gemeint. Wie bereits in unse­rer Dis­kus­si­on deut­lich wur­de, sug­ge­riert eine ‚Brand­mau­er‘, dass es ein kla­res davor und dahin­ter gebe, und dass somit klar sei, gegen wen und mit wem zusam­men gekämpft wird.

    Dabei ent­steht aber eine gewis­se Wider­sprüch­lich­keit: Am sel­ben Tag, an dem das Tref­fen von AfD-Poli­ti­kern, Iden­ti­tä­ren und ande­ren Rech­ten in Pots­dam statt­fand, wur­de im Bun­des­tag das Asyl­ge­setz verschärft3. Kann der Kampf gegen Rechts von der Kri­tik an der Poli­tik der Ampel-Koali­ti­on getrennt wer­den? Bzw. schwächt die gleich­zei­ti­ge Kri­tik an der AfD und der Ampel-Koali­ti­on den Kampf gegen Rechts? Oder soll­te sie nicht viel eher genau in die­se Pro­tes­te hin­ein­ge­tra­gen wer­den und macht die­se den Kampf stär­ker und kla­rer? Kön­nen wir uns ande­rer­seits ange­sichts der Dring­lich­keit der aktu­el­len poli­ti­sche Lage über­haupt ‚erlau­ben‘, eine sol­che Kri­tik aus­zu­üben? Vie­le haben Angst, dass die »Spal­tung« der Gegen­be­we­gung rech­te Ent­wick­lun­gen noch befeu­ern oder zumin­dest erleich­tern könn­te.

    Ande­re argu­men­tie­ren, dass brei­te Bünd­nis­se, wie sie im Kon­text der ‚Brand­mau­er‘ dis­ku­tiert wer­den, auch Gefah­ren mit sich brin­gen. Ange­führt wird in die­sem Zusam­men­hang das Bei­spiel Frank­reich, wo ähn­li­che Stra­te­gien schon geschei­tert sind. Bei den letz­ten bei­den Prä­si­dent­schafts­wah­len kam es letzt­end­lich zur Stich­wahl zwi­schen dem neo­li­be­ra­len Emma­nu­el Macron und der rechts­extre­men Mari­ne Le Pen vom Ras­sem­blem­ent Natio­nal (bis 2018 Front Natio­nal, FN). Beim ers­ten Mal stand die Brand­mau­er: Sehr vie­le sich als links-libe­ral ver­ste­hen­den haben sich not­ge­drun­gen hin­ter Macron und gegen den FN gestellt. Bei der zwei­ten Stich­wahl in die­ser Kon­stel­la­ti­on konn­ten sich dann schon viel weni­ger Wahl­be­rech­tig­te moti­vie­ren, für Macrons neo­li­be­ra­le Poli­tik zu stim­men, unter der so vie­le Men­schen in Frank­reich lei­den. Zu dis­ku­tie­ren wäre hier in Deutsch­land, ob die poli­tisch weit­sich­ti­ge­re Stra­te­gie nicht der Auf­bau einer dezi­diert lin­ken Alter­na­ti­ve zu Rechts­ra­di­ka­lis­mus und Neo­li­be­ra­lis­mus sein müss­te. Auch ob ein Blick nach Öster­reich und den Erfol­gen der KPÖ in Graz und Salz­burg dies­be­züg­lich hilf­reich ist, könn­ten wir dis­ku­tie­ren.

    Wie geht es wei­ter?

    Damit drän­gen sich schnell wei­te­re Fra­gen auf: Was sind aktu­ell wich­ti­ge stra­te­gi­sche Punk­te? Wel­che Bünd­nis­se müs­sen wir ein­ge­hen? Wer sind ver­läss­li­che Bündnispartner*innen?

    Die aktu­el­le Situa­ti­on lässt vor allem eins für Vie­le spür­bar wer­den; eine erschre­cken­de Dring­lich­keit, die zu einer Unge­duld führt, die oben gestell­ten Fra­gen kon­kret zu beant­wor­ten und not­wen­di­ge Schrit­te ein­zu­lei­ten. Dabei bleibt zu dis­ku­tie­ren, wel­che Bünd­nis­se aktu­ell trag­fä­hig sind. Geht es dar­um, ein Teil der brei­ten Pro­tes­te zu wer­den? Oder müs­sen wir uns (auch) auf die Suche auch nach Bündnispartner*innen machen, die auf den Groß­de­mons­tra­tio­nen nicht oder nur am Rand und mit einer kri­ti­sche­ren Agen­da (und einer lin­ken Demo nach der Demo) auf­tauch­ten? Denn: Die Demons­tra­tio­nen seit Janu­ar waren von der Zusam­men­set­zung her meist eher bür­ger­lich. An vie­len Orten bestan­den sie aus spon­ta­nen Bünd­nis­sen von sozia­len Bewe­gun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen, teil­wei­se auch Unternehmer*innen4 sowie mit Betei­li­gung von Politiker*innen der regie­ren­den Par­tei­en, wie Olaf Scholz und Anna­le­na Baer­bock. Vie­ler­orts fehl­te die gro­ße Betei­li­gung von migran­ti­schen Milieus aber auch von Gewerk­schaf­ten. Lin­ke, kapi­ta­lis­mus­kri­ti­sche Posi­tio­nen waren kaum zu sehen oder zu ver­neh­men. Gleich­wohl unter­schie­den sich die Demos von Stadt zu Stadt an der Fra­ge, ob der Pro­test gegen »Rechts« die Kri­tik an der Poli­tik der Ampel-Koali­ti­on und auch der CDU/CSU ein­schloss oder nicht.

    Vie­le von uns sehen unse­re Auf­ga­be gera­de dar­in, auf Schein­hei­lig­keit und Dop­pel­mo­ral hin­zu­wei­sen und klar­zu­ma­chen, wo man­che Poli­tik der Ampel (und auch der Uni­on) genau in die Rich­tung des­sen geht, was die AfD pos­tu­liert. Damit haben wir auch die Chan­ce, denen, die über ihre eige­ne Par­tei ent­setzt sind (bei den GRÜNEN, der SPD, viel­leicht auch bei der CDU/CSU), ein Ange­bot zu machen und mit ihnen zusam­men­ar­bei­ten.

    Gleich­zei­tig wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen und selbst Auf­stän­de in den letz­ten Jah­ren ihre Zie­le auf­grund poli­ti­scher Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit und feh­len­der Orga­ni­sie­rung nicht errei­chen konn­ten. Bei­spie­le dafür sind der soge­nann­te Ara­bi­sche Früh­ling, die Gelb­wes­ten-Pro­tes­te in Frank­reich oder die Black Lives Mat­ter-Bewe­gung in den USA, die alle­samt gro­ße Bewe­gun­gen dar­stell­ten, die auch lang­wie­rig und radi­kal waren, aber so gut wie nichts von ihren Zie­len umset­zen konn­ten, vor allem nicht lang­fris­tig. Es bräuch­te also mehr als Mas­sen­pro­tes­te – und anschei­nend auch eine bes­se­re polit-öko­no­mi­sche Ana­ly­se der Problemlage.5 Lang­fris­tig sehen vie­le von uns es als Ziel, eine lin­ke Bewe­gung mit­zu­or­ga­ni­sie­ren, die die Bar­ba­rei des sta­tus-quo kri­ti­siert und deren Zuspit­zung in Gestalt des Faschis­mus etwas ent­ge­gen­zu­set­zen hat.

    Was und wie ler­nen wir aus der Geschich­te?

    Auch in unse­rer Debat­te im vdää*-Vorstand wur­de sich immer wie­der auf die Geschich­te rück­be­zo­gen. Par­al­le­len in die 20er Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts drän­gen sich vie­len gera­de auf. Doch: Wel­ches Bild der 20er Jah­re wird dabei gezeich­net? Was wird gese­hen, was wird weg­ge­las­sen? Ist es über­haupt sinn­voll, eine Par­al­le­le zu den 1920er Jah­ren zu zie­hen? Ist die Zeit 2024 trotz eini­ger Par­al­le­len nicht inso­fern grund­sätz­lich ver­schie­den, als es damals eine star­ke lin­ke pro­le­ta­ri­sche Bewe­gung gab, von der heu­te nicht nur in Deutsch­land kaum etwas übrig­ge­blie­ben ist? Und wenn wir in die 20er schau­en und ver­su­chen, Feh­ler von damals nicht zu wie­der­ho­len: Wel­che Schlüs­se zie­hen wir? Bekla­gen wir vor allem abspal­te­ri­sche Ten­den­zen und die man­geln­de Einig­keit in der Lin­ken, oder zie­hen wir gera­de die Erkennt­nis, dass weder Sozialdemokrat*innen noch kon­ser­va­ti­ve Bür­ger­li­che ver­läss­li­che Bündnispartner*innen waren, und war der Ver­such eines gemein­sa­men Anti­fa­schis­mus des­halb zum Schei­tern ver­ur­teilt?

    Hin­zu­kommt die Fra­ge der Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft, die nun ja auch expli­zit durch die Ankün­di­gung von Minis­ter Lau­ter­bach und impli­zit seit einer gan­zen Wei­le schon (sie­he die vie­len Arti­kel und Debat­ten im DÄB) im Gesund­heits­we­sen ange­kom­men ist. Auch hier stel­len sich Fra­gen: Ist eine Mili­ta­ri­sie­rung immer ein Cha­rak­te­ris­ti­kum rech­ter Poli­tik – auch wenn aktu­ell in Deutsch­land die expli­zit Rech­ten, also die AfD, davon weni­ger reden als die Politiker*innen der Ampel-Koali­ti­on und der Uni­on? Wie könn­te eine lin­ke frie­dens­po­li­ti­sche Posi­ti­on der Ärzt*innenschaft heu­te aus­se­hen – eine Fra­ge, die im vdää* seit des­sen Grün­dung immer wie­der dis­ku­tiert wur­de. Wie hän­gen Krieg, Kapi­ta­lis­mus und bür­ger­li­cher Staat zusam­men? Wie kri­ti­sie­ren wir Krieg, ohne naiv pazi­fis­tisch zu sein? Oder gehö­ren medi­zi­ni­sche Per­spek­ti­ve und pazi­fis­ti­sche not­wen­dig zusam­men? Was heißt das heu­te?

    Wir freu­en uns dar­auf, über all die­se Fra­gen, Ideen und Stra­te­gien im Gespräch zu blei­ben und die offe­ne und auch kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on zu suchen. Dabei wol­len wir unse­re Per­spek­ti­ve erwei­tern und uns ver­schie­de­ne Infor­ma­tio­nen und Blick­win­kel aneig­nen, um hof­fent­lich an der Aus­ar­bei­tung lin­ker Ant­wor­ten auf die drän­gen­de Gefahr von Rechts mit­zu­wir­ken.

    Wich­tig ist, dass wir ange­sichts der Kom­ple­xi­tät der Lage nicht den Kopf in den Sand ste­cken und dass wir uns nicht – wie so vie­le lin­ke Debat­ten heut­zu­ta­ge – in ein Freund-Feind-Sche­ma pres­sen las­sen, das bei der kleins­ten Abwei­chung von der eige­nen Posi­ti­on den ande­ren gleich ins »geg­ne­ri­sche« Lager steckt. Alles ist etwas kom­pli­zier­ter und ein­fach ist es ohne­hin nicht – na und? Anti­fa bleibt eben nicht nur Hand- son­dern durch­aus auch Kopf­ar­beit.

    Wie geht es nun kon­kret im vdää* mit dem The­ma wei­ter?

    Eine Arbeits­grup­pe aus dem Vor­stand wird sich dazu in den kom­men­den Mona­ten wei­ter Gedan­ken machen.

    Unse­re Ideen sind:

    • zum einen ein brei­tes Bil­dungs­an­ge­bot mit Mög­lich­keit zur Dis­kus­si­on für Mit­glie­der und Inter­es­sier­te aus unse­ren poli­ti­schen Netz­wer­ken.
      • Damit wol­len wir gemein­sam und mit Hil­fe von exter­nen Referent*innen Ant­wor­ten auf drän­gen­de Fra­gen fin­den, z.B.:
      • nach Ideo­lo­gie und Stra­te­gie rech­ter Akteu­re,
      • nach Ursa­chen für das Erstar­ken rech­ter Ten­den­zen in Poli­tik und Gesell­schaft
      • den kon­kre­ten Gefah­ren für das Gesund­heits­we­sen bzw. unse­re Patient*innen (etwa durch Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus, Sexis­mus und Que­er­feind­lich­keit, aber auch durch Austeri­täts­maß­nah­men)
      • Zusam­men­hang zu Mili­ta­ri­sie­rung in Gesell­schaft und Gesund­heits­we­sen
      • und nicht zuletzt mög­li­che Gegen­maß­nah­men, um uns hand­lungs­fä­hig in der Pra­xis zu machen
    • Zum ande­ren anti­fa­schis­ti­sche Netz­wer­ke im Gesund­heits­we­sen (und dar­über hin­aus) bil­den und stär­ken

    Dazu pla­nen wir:

    • eine (min­des­tens) drei­tei­li­ge Online-Ver­an­stal­tungs­rei­he, in der wir uns mit den Hin­ter­grün­den von rech­ter Poli­tik und Rechts­extre­mis­mus aus­ein­an­der­set­zen, sowie ganz kon­kre­te Gefah­ren und Hand­lungs­stra­te­gien im Gesund­heits­we­sen dis­ku­tie­ren.
    • Beglei­ten­de inter­ne Dis­kus­sio­nen sowie Netz­werk­ar­beit und gemein­sa­me Dis­kus­sio­nen mit Orga­ni­sa­tio­nen, Initia­ti­ven und Ein­zel­per­so­nen (z.B.: vdää*, Kran­ken­haus statt Fabrik, ver.di, Grup­pen Kri­ti­scher Mediziner*innen, Medibüros/medinetze, IPPNW, evtl. wei­te­re anti­ras­sis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen)
    • eine Son­der­aus­ga­be der Gesund­heit braucht Poli­tik 424
    • das dies­jäh­ri­ge Gesund­heits­po­li­ti­sche Forum

    Kon­kre­te Ankün­di­gun­gen und Ein­la­dung fol­gen in Kür­ze. Wir freu­en uns, wenn Ihr Inter­es­se habt und Euch zahl­reich betei­ligt!

  • Save the Date! Gesundheitspolitisches Forum am 29./30. November

    Save the Date! Gesundheitspolitisches Forum am 29./30. November

    Am 29. und 30. Novem­ber wird unser dies­jäh­ri­ges Gesund­heits­po­li­ti­sches Forum statt­fin­den. Wie immer in Koope­ra­ti­on mit dem Ver­ein demo­kra­ti­scher Ärzt*innen.

    Der vor­läu­fi­ge Titel lau­tet:

    Soli­da­ri­tät ver­tei­di­gen! Gefahr von Rechts- Fol­gen und Stra­te­gien im Gesund­heits­we­sen

    Auch wir im Gesund­heits­we­sen kom­men nicht umhin, uns mit dem Ersar­ken der poli­ti­schen Rech­ten und aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es gilt, sich gera­de jetzt für eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft stark zu machen und uns der Gefah­ren bewusst zu wer­den, denen gera­de die Men­schen aus­ge­setzt sind, für deren Gesund­heit und Gesund­heits­ver­sor­gung wir uns vor­nehm­lich ein­set­zen, näm­lich sozi­al Benach­tei­lig­te und Men­schen, die von Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fen sind.

    Am Frei­tag 29.11. und Sams­tag 30.11. wer­den wir uns in Vor­trä­gen, Panel und Work­shops mit die­sem The­ma beschäf­ti­gen.

    Ort: Zen­tral­werk Dres­den

    Pro­gramm und wei­te­re Infor­ma­tio­nen (Anmel­dung, Bet­ten­bör­se, Kin­der­be­treu­ung) fol­gen.